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Muammar al-Gaddafi, 60, Libyens Revolutionsführer, ist bei seiner Annäherung an den Westen weiter vorangekommen. Im vergangenen Oktober hatte er in der Hauptstadt Tripolis die "Miss Net World"-Schönheitskonkurrenz veranstalten lassen. Seine Zustimmung zu dem Event (Motto: "Schönheit rettet die Welt"), wo die Schönste der Welt per Internet gewählt wurde, war ihm von den Organisatoren mit dem Hinweis erleichtert worden, so könnte das schlechte Image Libyens verbessert werden. Als dann die amerikanische Schönheitskönigin Tecca Zendik, 19, in Tränen ausbrach, weil Gaddafi bei der Zusammenkunft mit den 23 Wettbewerberinnen mehrmals das amerikanische Bombardement seines Palastes im Jahr 1986 erwähnt hatte, befahl der Staatschef die Amerikanerin an seine Seite. Zendik: "Er versuchte, mich zu beruhigen", wobei einige Beobachter gesehen haben wollen, dass sich Gaddafis Hand mehrmals Zendiks Knie genähert hatte. Nachdem der Libyer eine Gaddafi-Uhr samt dem grünen Revolutionsbüchlein überreicht und den Wunsch geäußert hatte, Zendik möge beim nächsten TV-Interview die "Botschaft von Oberst Gaddafi überbringen: ,Ich hasse nicht das amerikanische Volk'", war für die Amerikanerin, obwohl sie nicht den Titel "Miss Net World" gewann, die Welt wieder in Ordnung. "Er war very, very, very sweet. Er war unheimlich lieb, wie ein Vater." Vergangene Woche legte Muammar al-Gaddafi ein weiteres Mal nach. Er ernannte die amerikanische Heulsuse zur libyschen Honorarkonsulin.
Konrad, 3, Minischwein und einstiger vierbeiniger Star im "Big Brother"-Container, ließ den Amtsschimmel wiehern. Bislang lebte das Miniatur-Borstenvieh mit seinen Artgenossen Nono und Loller unbehelligt im Einfamilienhaus der Familie Beyerling in Magdeburg. Jetzt aber hat das örtliche Amtsgericht auf Klage des städtischen Veterinäramtes entschieden, Minischweine sind keine Haustiere wie Hund und Katze, auch wenn sie, wie etwa in Berlin, mit richterlicher Genehmigung sogar Mietwohnungen bevölkern dürfen. Das Beyerling-Haus ist von nun an ein Agrarbetrieb. Was zur Folge hat: regelmäßige Besuche des Amtstierarztes, veterinärmedizinische Seuchenkontrolle und natürlich Zugangsbeschränkungen für betriebsfremde Personen. Letzteres könnte Probleme bereiten. Denn die Hausfrau betreibt in dem Eigenheim einen An- und Verkauf von Brautmoden. Der Weg zum Traualtar führt für ihre Kunden im Zweifel über Seuchenmatten, damit die Schuhe wirklich keimfrei sind.
Klaus Töpfer, 64, ehemaliger CDU-Bundesumweltminister und seit 1998 Direktor des Uno-Umweltprogramms mit Sitz in Nairobi, hatte bei einem Besuch seiner ostwestfälischen Heimatstadt Höxter wie in früheren Zeiten richtig Durst auf ein kühles Helles. Der Weserstadt war eine Auszeichnung für besonders umweltbewussten Umgang mit Ressourcen zugesprochen worden, und Töpfer hielt die Laudatio. Die umweltschonende Sparsamkeit der Stadt gefiel dem Festredner jedoch nicht in allen Punkten. "Herr Bürgermeister", hub Töpfer am Ende seiner Rede an, früher sei es üblich gewesen, dass "der Redner zu Beginn seiner Rede ein Glas Bier hingestellt" bekomme, er hoffe, dass er "beim nächsten Mal wenigstens zum Schluss der Rede ein Glas Bier" erhalte. Keiner der Beamten der Stadtverwaltung fühlte sich angesprochen, alle blieben sitzen. Da lief ein Ehrengast los in eine benachbarte Gaststätte und brachte dem Ex-Minister das ersehnte Pils. Unter amüsiertem Beifall speziell der Ehrengäste nahm Töpfer einen tiefen Schluck.
Henning Scherf, 64, Bürgermeister von Bremen, ist zwar der größte Fan seiner rotschwarzen Koalition, will sich aber ein als Präsent überreichtes Paar Holzschuhe rot/ grün anmalen - die linke Pantine rot, die rechte grün. "Das machen Paddler als Gag", sagt der Regierungschef und Besitzer eines Kajaks namens "Adelante" (spanisch für "vorwärts!"). Der rote Schuh wird backbords, also links, und der grüne an Steuerbord auf dem Boot festgezurrt. So hat der Paddler Hilfen zur Hand, um auch an Morast-Ufern trocken an Land zu kommen. Bisher musste der 2,04-Meter-Mann mit den großen Füßen auf diesen Luxus verzichten, da Pantinen für ihn nicht aufzutreiben waren. Doch die Bremer Umland-Gemeinde Hatten leistete jetzt Abhilfe zwecks Pflege des nicht immer spannungsfreien Stadt-Umland-Verhältnisses. Ein Holzschuhmacher schnitzte eine Sonderanfertigung in Größe 49, die dem langen Kerl auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde überreicht wurde - samt handgestrickter Wollstrümpfe.
Jean-Pierre Raffarin, 54, französischer Premierminister, zensierte sich beflissen selbst aus Rücksichtnahme gegenüber seinem Boss, Staatspräsident Jacques Chirac. Der Regierungschef hatte in einem Interview mit Frankreichs größtem TV-Sender TF 1 auf die Frage, ob Chirac einen Fehler habe, munter erwidert: "Ja, in seinem Leben zählt nur die Politik." Der Präsident bekam Wind von dem vier Tage vor der Ausstrahlung aufgezeichneten TV-Gespräch und zeigte sich indigniert. Raffarin, ehemals PR-Manager und Autor des Buches "Werbung - Nervenstrang der Kommunikation", setzte daraufhin TF 1 unter Druck - Frage und Antwort wurden aus dem Interview geschnitten. Die linksliberale Tageszeitung "Libération" spottete: "Schweigegebot für einen Majestätsbeleidiger".
Pedro Angelo da Silva de Lima, 24, brasilianischer Lehrer, gelang bei der Amtseinführung des neuen brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio da Silva, 57, genannt "Lula", eine handgreifliche Annäherung an die Macht. Nach einer 18-stündigen Busreise in die Hauptstadt Brasília umging der Lula-Fan Dutzende von Sicherheitsbeamten, um "seinem" Präsidenten auf der Fahrt mit dem historischen Rolls-Royce auf der Esplanada dos Ministérios für einen Moment nah zu sein. "Als ich eine Lücke zum Springen sah, hangelte ich mich auf den Wagen und umarmte ihn", berichtete Pedro der Hauptstadtzeitung "Correio Braziliense". Lula, von 53 Millionen Menschen ins höchste Amt seines Landes gewählt, war zwar überrascht, doch erwiderte er die Umarmung so herzlich, wie Pedro es sich erhofft hatte: "Er schützte mich noch vor den Polizisten, die mich wegziehen wollten."
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| 13. Januar 2003 | |||||||||||||||
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